Ist die Relegation fair?
[Vorbemerkung: Die Autorin freut sich, Jan als ersten Gastblogger begrüssen zu dürfen, viel Vergnügen beim Lesen!]
Im kommenden Jahr wird es, wie schon zwischen 1982 und 1991, Relegationsspiele geben. Der geneigte Anhänger der, sagen wir einmal, SpVgg Greuther Fürth wird sich sicher fragen, ob dies gerecht ist, da dies die Chancen auf Aufstieg in die Bundesliga ab der nächsten Saison schmälern wird.
Bevor jetzt der Anhänger eines latent abstiegsgefährdeten Erstliga-Vereins aufschreit, versuchen wir mal, das ganze statistisch anzugehen. Was ist ein gutes Maß dafür, wie viele Vereine auf- und absteigen dürfen? Ein paar Vorschläge:
a) Der aufsteigende Verein sollte eine mindestens 50%-ige Chance haben, das erste Bundesligajahr zu überstehen.
b) Die Chance sollte so groß sein, dass nur 1 Aufsteiger im Mittel absteigt.
c) Der Verein sollte sich dauerhaft in der 1. Liga etablieren können.
d) Der Aufsteiger sollte stärker sein als ein Absteiger.
e) Der Aufsteiger sollte stärker sein als alle Absteiger.
f) Der Verein sollte finanziell zum Wohlergehen der 1. Liga beitragen.
Letzteres klingt abstrus? – In der Tat sind Varianten von a)-f) in verschiedenen Sportarten durchaus realisiert. Z.B. kann man eine höhere Liga nach einer bestimmten Zahl von Spielen teilen, und die unteren x Vereine mit den oberen y Vereine der nächstunteren Liga eine Teilrunde spielen lassen (eine Variante von d) und e)). Eine andere Variante von d) und e) sind Relegationsspiele, oder gar Relegationsturniere. f) ist eher in amerikanischen oder amerikanisch geprägten Ligen ein Thema. Diese Variante ist jedoch nicht weit entfernt von c) – eine hohe Finanzkraft kann durchaus ein Indiz für die Chance zur dauerhaften Etablierung sein. Gibt es ein anderes Maß dafür, ob sich ein Verein dauerhaft etablieren kann? Hier könnte uns die Statistik helfen. Jedoch – das wollen wir hier zunächst nicht betrachten. Aufgrund der relativ hohen Zahl der Auf- und Absteiger im Fußball setzen wir voraus, dass nicht c) die Voraussetzung für Aufstieg ist, sondern eine Variante von a) & b). Kurz gesagt: Ein Aufsteiger sollte momentan (und das ist der springende Punkt!) stark genug sein, um sich in der 1. Liga durchzusetzen. Und, das naheliegendste Maß für Durchsetzen ist – in unserer Betrachtung – Nicht-Abstieg.
Wenden wir uns wieder ein wenig der Statistik zu: Mit welcher Wahrscheinlichkeit sollte ein Aufsteiger die Klasse halten? Spontane Meinung bitte!
…
Ich denke, 50% klingt zunächst fair. Das würde bedeuten, im Mittel ist die Hälfte der Aufsteiger gut genug, nicht abzusteigen. Einwände? Gut! Bevor wir weitere Betrachtungen starten, widmen wir uns doch – Daten. (NB: Es geht doch nichts über Daten!)
Welche Plätze in der 1. Liga erreichten die Aufsteiger in den zurückliegenden 10 Jahren? Die Verteilung ist im folgenden Bild dargestellt:
Wir sehen, dass ein Aufsteiger im Durchschnitt zwischen Rang 13 und 14 erreicht. Die Streuung ist durchaus relativ breit. Und der Ausreißer nach oben ist auch noch knapp drin. Zurück zum Thema: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Aufsteiger die Klasse hält? Zählen wir die Platzierungen von 16-18 – es sind 11. Bei 30 Absteigern ergibt das eine Wahrscheinlichkeit von ca. 63%, nicht abzusteigen. Das sind deutlich mehr als 50%! In guter Näherung wollen wir sagen: Nur jeder dritte Aufsteiger steigt wieder ab – das heißt, im Mittel genau einer der Aufsteiger. Klingt das nicht fair? Das heißt, die Aufsteiger steigen mit deutlich mehr als 50%-iger Wahrscheinlichkeit nicht wieder ab und sind damit zu fast 2/3 reif für die 1. Liga.
Unser freundlicher Fan von Greuther Fürth wird sich jetzt, hoffentlich, ärgern: Die Aufsteiger können offensichtlich mehr als mithalten, und jetzt werden Relegationsspiele eingeführt? Und vielleicht fordern sie gar den 4. Aufsteiger. Es gibt, selbstverständlich, Argumente für die Gegenseite:
1) Die Fluktuation zwischen 1. und 2. Liga sollte nicht zu hoch sein – Stichworte: Planbarkeit, Sicherheit.
2) Die Aufsteiger haben einen Aufstiegsbonus (Schwung aus der Vorsaison, etc.), und deshalb ist 50% etwas niedrig angesetzt.
3) Der beste Aufsteiger ist vielleicht gut genug für die 1. Liga, aber ist es deshalb auch der zweitbeste, oder gar der Drittplatzierte der 2. Liga?
Während die ersten beiden Punkte etwas schwer zu fassen sind – aber sicher Zustimmung finden, ich denke, wir können uns darauf einigen, dass ein Wert jenseits von 50% Klassenerhaltswahrscheinlichkeit durchaus sinnvoll ist – klingt Punkt 3 doch sehr naheliegend. Jeder dritte Aufsteiger steigt wieder ab, also lassen wir einfach nur die beiden hoch, die drinbleiben.
Hier unterbrechen wir einmal kurz. Klang das nicht alles zu sehr nach der Perspektive der 2. Liga? Warum fragen wir uns nicht, ob die Zahl von 3 Absteigern fair ist? Genug der Worte, lassen wir Daten sprechen, über die der Leser sich Gedanken machen kann – die Platzierungen der 1. Liga-Absteiger in der 2. Liga der letzten 10 Jahre:
Um zu sehen, was man mit Statistik noch alles machen kann, gibt es – demnächst – einen 2. Teil


Februar 19, 2009 at 8:35
Liebste ominoese Autorin
Wuerde es ihnen etwas ausmachen, diesen dunklen Hintergrund der Aufsteiger-1.Liga-stabilitaet naeher zu erlaeutern, zum Beispiel hinsichtlicher der mehrjaehrigen spaetfolgen – es waere doch zum Beispiel interessant zu wissen, ob Aufsteiger Grundsaetzlich stabil in der unteren haelfte der Platzierungen verweilen (Ausreisse mal ausgenommen) und ob sie sich immer gleichverteilen, auch in Folgejahren – das wuerde dann hoffentlich dafuer sorgen, dass die 1. Liga nicht bald festgefahren ist, weil ja nur noch die ehemals Aufsteigerteams da sind…
Interessant waere auch noch die Korrelation zwischen Aufstiegsplatzierung und nachfolgender 1.Liga-Platzierung.
Beste Gruesse und viel Spass noch beim rumtupeln…
Der Hund
Februar 19, 2009 at 8:49
Liebster ominoeser Optotuner,
gerne biete ich Ihnen an meine Meinung zu diesem Thema mit Ihnen persoenlich zu diskutieren, zum Beispiel bei einer Tasse Kaffee mit Blick auf den Mont Blanc. Haetten Sie naechste Woche Zeit fuer solch ein Treffen?
Allgemein werden Ihre Anfragen aber auch an den Verfasser des Artikels (der nicht, wie bei all den anderen unzaehligen Beitraegen mit mir identisch ist) weiterleiten.
Es gruesst,
der Fussballnerd.